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Reisegeschichte

Quer durch den Osten, von Miami nach New York

Wieder im Camping-Van, diesmal die ganze Ostküste hinauf. Von Key West und den Everglades über Savannah, Memphis und Nashville bis in den Central Park von New York.

4 Min. Lesezeit

Ein Jahr nach meiner ersten Reise zog es mich wieder los, diesmal in den Osten der USA. Wieder mit Suntrek, wieder im Camping-Van, aber der Trekleader war diesmal Amerikaner. Die Route führte von Miami die ganze Ostküste hinauf bis nach New York City, mit Stationen in Key West, Orlando, Savannah, Atlanta, Memphis, Nashville, Washington und Philadelphia. Los ging es allein von München über New York nach Miami, in das laut Aussage der Mitarbeiter günstigste Hotel von Miami Beach.

Miami und Key West

Die ersten Tage in Miami verbrachte ich noch auf eigene Faust, mit ein paar Tagestouren, bevor die Gruppe zusammenkam. Der Ausflug nach Key West war gleich ein Erlebnis. Die Fahrt dorthin dauerte dreieinhalb Stunden und sah aus wie in der Karibik. Am Ende der Duval Street saß ich mit einem Typen aus Hamburg in einem kleinen Restaurant, drückte zu fest auf die Senfflasche, und die explodierte mir mitten ins Gesicht. Zum Vergnügen der anderen Gäste. Wenige Minuten später brachte mir die junge Kellnerin ein neues T-Shirt, weil auch mein Hemd voller Senf war. Das ist Amerika, dachte ich, in Deutschland hätte ich gar nichts bekommen.

Damals 1991: der Sonnenuntergang in Key West, abends vom Steg aus fotografiert
Damals 1991: der Sonnenuntergang in Key West, abends vom Steg aus fotografiert

Start des Treks

In Ft. Lauderdale lernte ich endlich meine Gruppe kennen, geführt von einem Trekleader aus Kalifornien, mit Leuten aus Deutschland, Australien und England. Der eigentliche Trek startete zurück in Key West, direkt am Meer. Nachts war es so heiß im Zelt, dass ich kaum schlafen konnte, und die anderen kamen erst um halb vier vom Feiern auf der Duval Street zurück. Auf dem Weg zurück nach Ft. Lauderdale machten wir eine Airboat-Fahrt durch die Everglades, laut, aber großartig, wie im Film, und wir sahen sogar Alligatoren und Schildkröten.

Orlando und das Kennedy Space Center

In Orlando teilten wir uns für die Universal Studios auf. Bei der Nickelodeon-Tour hatten wir sogar Glück und sahen die Aufzeichnung einer Gameshow. Ghostbusters und Alfred Hitchcock waren dabei, und die 3D-Szene mit den Vögeln, die auf uns zuflogen, war etwas, das ich vorher noch nie gesehen hatte. Das Magic Kingdom war dann eher eine Enttäuschung, im Grunde dasselbe wie Disneyland in Kalifornien, nur etwas größer. Als ich abends zurückkam, waren fast alle Zelte überflutet, und eine französische Suntrek-Gruppe lud uns spontan zum Abendessen ein.

Auf das Kennedy Space Center hatte ich mich riesig gefreut. Der IMAX-Film Blue Planet war großartig, die Aufnahmen der Erde aus dem All haben mich am meisten beeindruckt. Die Bustour dagegen zog sich über zwei Stunden, und als es interessant wurde, durften wir nicht aussteigen. Am Ende hatte fast jeder auf dem Bus geschlafen, ich eingeschlossen.

Savannah, Atlanta und der Süden

In St. Augustine bummelten wir durch die von den Spaniern gebaute Altstadt. Auf dem Weg nach Savannah regnete es so stark, dass unser Trekleader kurzerhand ein Motel buchte und wir den Abend vor dem Fernseher verbrachten. In Atlanta besuchten wir das Martin-Luther-King-Museum und das Coca-Cola-Museum, wo man an den Brunnen alle Sorten der Welt kostenlos probieren konnte. Abends am Stone Mountain sahen wir die Lasershow, bei der der ganze Berg zur Leinwand wird. Etwas zu patriotisch vielleicht, aber die beste Lasershow, die ich je gesehen habe.

Damals 1991: die von Eichen und Spanish Moss überwölbte Straße in St. Augustine
Damals 1991: die von Eichen und Spanish Moss überwölbte Straße in St. Augustine
Damals 1991: das Geburtshaus von Martin Luther King in Atlanta
Damals 1991: das Geburtshaus von Martin Luther King in Atlanta

Memphis, Nashville und die Höhle

In Memphis führte uns der Weg nach Graceland, dem Anwesen von Elvis. Nach der Tour durch Haus und Auto-Sammlung waren wir uns alle einig, dass er einfach zu viel Geld hatte. In Nashville, der Heimat der Countrymusik, sahen wir eine Wasser-Lasershow im riesigen Opryland Hotel. In der Mammoth Cave, der größten Höhle der Welt, waren alle Touren ausverkauft bis auf eine, aber am Ende drehten sie das Licht aus, totale Dunkelheit, das war beeindruckend.

Damals 1991: Graceland, das Anwesen von Elvis in Memphis
Damals 1991: Graceland, das Anwesen von Elvis in Memphis
Damals 1991: Tropfsteinformationen tief in der Mammoth Cave
Damals 1991: Tropfsteinformationen tief in der Mammoth Cave

Washington und ein Sommer voller Geschichte

Über eine Bourbon-Destillerie und ein winziges Bürgerkriegsmuseum, dessen älterer Betreiber uns so erzählte, dass jeder von uns es verstand, ging es weiter Richtung Hauptstadt. In Washington besuchten wir das Kapitol, das kostenlose Air and Space Museum und sahen das Weiße Haus aus der Ferne. Auf dem Campingplatz lernte ich abends Jessey kennen, ein amerikanisches Mädchen, an einer Videomaschine. Wir verstanden uns auf Anhieb, aber ihre Eltern waren streng und behielten sie immer im Blick. Als wir uns verabschieden mussten, gab sie mir noch einen Kuss.

Damals 1991: das Kapitol in Washington
Damals 1991: das Kapitol in Washington

Philadelphia und die Ankunft in New York

In Philadelphia sahen wir die Liberty Bell, das Franklin House und die Independence Hall, wo die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Nach so viel Geschichte auf diesem Trek reichte es mir eigentlich, aber ich blieb bei der Gruppe.

Dann endlich der Big Apple. Mein erster Eindruck von New York, als wir mitten im Rush Hour ankamen, war ein gigantischer Stau aus lauter Taxis. Am nächsten Tag ging es mit der verwirrenden U-Bahn zur Wall Street und hoch aufs World Trade Center, von wo wir einen großartigen Blick über Manhattan hatten. Abends bummelten wir den nächtlichen Broadway entlang. Am folgenden Tag machte ich meinen ganz eigenen 20-Meilen-Marsch durch Manhattan, vom Empire State Building über Times Square und Macy's bis in den Central Park, der an diesem Sonntag voller Straßentänzer und Musiker war. Die NBC-Studiotour war das Interessanteste des Tages. Als sie fragten, woher wir kämen, rief ich Germany, und alle lächelten. Am Ende taten mir die Füße so weh, dass ich den Abend nur noch vor dem Fernseher verbrachte. Der Abschied von John, meinem Trekleader, und den anderen fiel mir schwer. Manchmal weiß man einfach, dass man sich wohl nie wiedersieht.

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