Es war meine allererste USA-Reise, im Sommer 1990, und ich war damals noch ein echter Neuling. Ich hatte mir eine Camping-Rundreise mit dem Veranstalter Suntrek gebucht, drei Wochen quer durch den amerikanischen Südwesten, und flog zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben allein über den großen Teich. Schon der Flug lief erstaunlich ruhig. Nur beim Zoll in San Francisco nahm ein Beamter meinen Rucksack komplett auseinander. Als er bei meiner Unterwäsche angelangt war, gab er dann doch auf.
San Francisco, der Start

San Francisco hat mich sofort überfordert, im positiven wie im negativen Sinn. Auf den ersten Metern wurde ich schon angesprochen, ob ich nicht zu einem Treffen von Deutschen mitkommen wolle. Es lief wirklich alles herum in dieser Stadt. Ich machte eine Stadtrundfahrt mit Gray Line, ließ mir in Chinatown die Haare schneiden, wobei das Mädchen mit dem Wort Germany überhaupt nichts anfangen konnte, und bummelte über Pier 39 und den Ghirardelli Square. Am Sonntag lernte ich endlich meine Trekgruppe kennen. Zwölf Leute aus Holland, Israel, Spanien, dazu Deutsche und Schweizer, geführt von einem Schweizer Trekleader. Eine Supertruppe.

Zelte, Hitze und die erste Nacht

Am Montag ging es endlich raus aus dem Nebelloch. Beim Beladen des Vans half immer die ganze Gruppe zusammen, Teamgeist war alles. Wir bauten mein erstes Zelt meines Lebens auf, und ich habe so gelacht dabei. Über Santa Barbara, wo überall noch die Spuren eines schweren Waldbrandes zu sehen waren, ging es nach Los Angeles. Dort war die Stimmung eine andere. Wegen der Kriminalität übernachteten wir im Hotel statt auf dem Campingplatz, mussten alles ausladen, und einmal liefen uns zwei schwer bewaffnete Security-Leute über den Weg. Abends aßen wir mit vierzehn Leuten in der Spaghetti Factory, und als plötzlich ein halbes Dutzend Kellner dem Pärchen am Nebentisch Happy Birthday sang und das ganze Restaurant mitklatschte, dachte ich nur, das gibt es in Deutschland nicht.
Universal, Disney und San Diego
In den Universal Studios musste ich erst einmal 45 Minuten anstehen, und mir fiel sofort die Gelassenheit der Amerikaner beim Warten auf. Am Venice Beach kam dann das echte Amerika-Feeling auf, Akrobaten, Basketballcourts, pures Leben. Disneyland war eigentlich als Höhepunkt gedacht, aber total überlaufen. Space Mountain war mein Ding, eine Achterbahn im Dunkeln. In Sea World in San Diego wurden bei der Killerwal-Show die ersten fünfzehn Reihen komplett nass, und es dauerte keine zwei Minuten, bis die Plätze frei waren. Am Strand von San Diego gab es sogar Hai-Alarm, in Nullkommanix war das Wasser leer.
Die Wüste und die großen Canyons
Dann kam die Wüste. Auf dem Weg zum Lake Havasu hatten wir über vierzig Grad, die Klimaanlage mussten wir ausschalten, damit der Motor nicht überhitzte. Der Boden heizte sich mittags auf 65 Grad auf, barfuß laufen war unmöglich. In Havasu City erwischte uns ein heißer Sturm, der uns beim Zeltaufbau den Sand in die Augen blies.
Der Grand Canyon war dann ein großartiges Erlebnis. Die wahre Gewaltigkeit kann man gar nicht fotografieren, das muss man selbst sehen. Wir wanderten etwa 45 Minuten am Rand entlang und beobachteten den Sonnenuntergang. Kaum war die Sonne weg, war es zappenduster. Die Nacht war eiskalt, ich schlief mit langer Hose und Pullover, und morgens weckten uns Hubschrauber, weil wir direkt unter der Einflugschneise campierten.


Monument Valley und Lake Powell

Im Monument Valley beobachteten Barbara und ich von einem Hügel aus, wie sich das Tal rot färbte. Am nächsten Morgen wagte ich mich sogar aufs Pferd. Vom Anfang bis zum Schluss war ich der Letzte, und der Führer meinte, ich solle mein Pferd doch mehr meinem Willen unterwerfen. Ich bin wohl doch nicht als Cowboy zu gebrauchen. Am Lake Powell hatten wir einen reinen Erholungstag, es war unheimlich schlammig, sodass wir uns gegenseitig mit Schlamm beschmissen. Abends ging dann die Skorpion- und Schlangenangst um, die Israelis zogen es vor, im Van zu schlafen.
Bryce Canyon, Las Vegas und ein Van mit Pannen



Der Bryce Canyon hat mich dann fast noch mehr beeindruckt als der Grand Canyon. Dieses intensive Rot mit den feinen Abstufungen kommt auf Bildern gar nicht so richtig rüber. Für ein Gruppenfoto mit einer uralten Kamera mussten wir vierzehn Leute eine Stunde stillhalten, meine Füße schliefen schon nach fünfzehn Minuten ein. Unser Van hatte an diesem Tag gleich zwei Pannen. Über den Zion Nationalpark mit seinen komischen Bergen ging es weiter nach Las Vegas.

In Las Vegas kam mir das Motel nach wochenlangem Camping fast luxuriös vor. Beim All-you-can-eat konnten wir endlich wieder international essen, und ich probierte mich mit zwanzig Dollar an den Slot-Machines, mehr durfte ich mit noch nicht ganz 21 Jahren eh nicht. Immer kurz bevor ich aufgeben wollte, spuckte die Maschine wieder etwas aus. Kein Wunder, dass das zur Sucht werden kann. Am Tag ist Las Vegas allerdings eine ziemlich langweilige Stadt, und als der Van in Reparatur musste, blieben wir sogar einen Tag länger, was keinen so richtig begeisterte.
Sequoia, Rafting und der Abschied
Yosemite war wegen eines Großbrandes gesperrt, also fuhren wir in einer zwölfstündigen Etappe zum Sequoia Nationalpark. Der sieht dort oben fast aus wie ein Stück Österreich, nur wachsen hier Bäume, die bis zu 2500 Jahre alt werden. Zu unserer Freude campierten wir in einer Bärengegend, unser einziger Schutz war das Lagerfeuer, an dem wir lange saßen. In Sacramento stand dann Wildwasser-Rafting auf dem Programm. Mir war schon ein bisschen mulmig, aber nach dem ersten Schock war es großartig, natürlich immer mit Teamwork. Nur bei der letzten Kurve riss es mich vom Sitz, doch bis zum Fotoshooting hatte ich mich wieder aufgerappelt.
Am letzten Tag hieß es Zelte schrubben und Ausrüstung putzen, dann ging es zurück nach San Francisco, das uns diesmal ohne Nebel empfing. Der berühmte Fotografenblick von der Golden Gate Bridge auf die Stadt war ein großartiger Anblick. Einige verabschiedeten wir schon, mit den meisten blieb ich das Wochenende zusammen. Denn eines wusste ich da schon, es sollte noch weitergehen, hoch in den Norden.