Diese Reise war etwas Besonderes, denn zum ersten Mal nahm ich meine ganze Familie mit in die Staaten, Mom und Dad und meine Freundin Yvonne. In den Jahren zuvor war ich meist allein geflogen. Es ging vor allem nach Florida, mit einem Abstecher nach New Orleans. Hingeflogen sind wir mit US Airways, und schon der Weiterflug von Philadelphia nach Orlando wurde amüsant, weil der Co-Pilot ein so überzeugter Amerikaner war, dass er zu jeder Stadt unter uns die komplette Geschichte erzählte.
Von Orlando nach Jacksonville
Da wir am Ende noch fast zehn Tage in Orlando bleiben würden, ging es zuerst quer durch den Norden Floridas. In Daytona muss man einfach den Strand gesehen haben, der so fest ist, dass man mit dem Auto darauf fahren kann, wenn man erst einmal fünf Dollar zückt. In St. Augustine kauften wir uns eine Stadtrundfahrt per Pferdekutsche. Der Kutscher gab sich viel Mühe, langsam zu sprechen, weil Yvonne, Mom und Dad kein besonders gutes Englisch haben, sodass ich trotzdem das Wichtigste übersetzte. Das Flagler College, ein früheres Luxushotel, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Da gerade Halloween war, zogen überall verkleidete Kinder von Geschäft zu Geschäft.


Am Abend erreichten wir Jacksonville, wo unsere Verwandten wohnen. Das Essen stand schon fertig bereit, man wartete nur noch auf unseren Anruf. Das nenne ich Service. Nur alle zehn Minuten klopften Kinder mit ihrem Trick or treat an die Tür, manche sogar zwei oder drei Mal.
Der Abstecher nach New Orleans
Von Jacksonville hatten wir eine lange Fahrt nach Ft. Walton Beach vor uns, sieben Stunden bei Regen wie aus Eimern. Auf dem Weg nach New Orleans legten wir einen Stopp bei den Bellingrath Gardens in Alabama ein, einem botanischen Garten, der schon Anfang November in tausenden Weihnachtslichtern erstrahlte. Ein Fest für die Augen, nur Dad fand das kitschig. Wer von Osten nach New Orleans fährt, überquert den Lake Pontchartrain auf einer kilometerlangen Brücke, und genau als wir hinüberfuhren, ging die Sonne unter und die erleuchtete Stadt lag vor uns, ein Bild wie für ein Poster.
Unser Bed and Breakfast lag im Garden District. In New Orleans nahmen wir die Streetcar in die Stadt, und dort erlebten wir pures Amerika. Weil versehentlich eine Person nicht bezahlt hatte, brüllte der Fahrer meinen Dad lautstark an, bis sich andere Fahrgäste einmischten und ihn zur Rücksicht gegenüber Touristen ermahnten. Wir machten eine Stadtrundfahrt und eine Fahrt auf dem Schaufelraddampfer Natchez über den Mississippi, wo ein paar Musiker Jazz und Dixie spielten. Das French Quarter fand allerdings keiner von uns so richtig schön. Dreckig, verrückt und laut, mit diesen drei Worten beschreibe ich es immer.

Panama City Beach und die Golfküste
Über Mobile in Alabama, wo Dad und ich ein Schlachtschiff besichtigten, ging es weiter nach Panama City Beach. Im November verfällt der Ort in eine Art Winterschlaf, vier Restaurants fuhren wir an, alle geschlossen, erst versteckt fanden wir noch ein Applebee's. In der Dunkelheit auf dem Highway wurde uns dabei ein wenig mulmig, denn in Amerika ist die Nacht auf dem Land wirklich pechschwarz.

Tampa, Ft. Myers und die Keys
Mein persönliches Highlight war Busch Gardens in Tampa, denn dort stehen für mich die besten Achterbahnen Floridas. Von Punta Gorda und Ft. Myers aus, wo wir eine Villa hatten, unternahmen wir Ausflüge und Shoppingtouren, und ich frühstückte am liebsten mit meinem mitgebrachten deutschen Nutella auf weichem amerikanischem Weißbrot. Von hier aus fuhren wir auch einmal über die Alligator Alley und an Miami vorbei bis zum südlichsten Punkt der kontinentalen USA, nach Key West.

Die große Runde durch Orlando
Zum Abschluss kam der lange Orlando-Teil. Mit einem Vier-Tages-Pass erkundeten Yvonne und ich Walt Disney World, von Epcot mit dem damals neuen Test Track über das Magic Kingdom bis zu den MGM Studios. Ein weiteres Highlight war Islands of Adventure, für das ich mich nach der Recherche für meine Website riesig gefreut hatte. Für schwache Nerven ist der Park allerdings nichts, sodass Yvonne, Mom und Dad lieber die klassischen Universal Studios wählten. Auch das Kennedy Space Center und Sea World standen auf dem Programm, wobei mir bei Sea World gut gefällt, wie sehr sich der Park für den Umweltschutz und die Pflege kranker Tiere einsetzt.


Eine Odyssee nach Hause
Am Ende wurde die Heimreise zur Odyssee. Unser Flug von Orlando nach Philadelphia verschob sich wegen technischer Probleme, und plötzlich wurden wir binnen zehn Minuten in eine Maschine der Billigtochter MetroJet nach Washington umgebucht. Der Rückflug lief dann mit United, aber das ist eine andere Geschichte. Trotz aller Umwege war es genau die richtige Entscheidung gewesen, diesmal die ganze Familie mitzunehmen.
Unsere Familienbilder von 1999


