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Reisegeschichte

Der pazifische Nordwesten, weiter mit dem Van

Nach den drei Wochen im Südwesten hängte ich 1990 gleich die zweite Hälfte dran, diesmal mit einer deutschsprachigen Gruppe hoch in den Nordwesten. Redwoods, Crater Lake, der Mount Rainier, Seattle und ein Abstecher nach Vancouver, zum Schluss noch Yellowstone.

5 Min. Lesezeit

Nach den drei Wochen im Südwesten wollte ich 1990 noch nicht zurück nach Deutschland. Der Süden hatte mich gepackt und ich hängte gleich die zweite Hälfte dran, weiter hoch in den Norden. Diesmal war ich in einer deutschsprachigen Gruppe unterwegs, ein bunter Haufen aus Deutschen und Schweizern. Abends am Lagerfeuer gab es jede Menge europäisch-schweizerisch-deutsches Geschwafel über Gott und die Welt, und mit jedem Tag kamen wir uns ein Stück näher. Der Ablauf war der gleiche wie im Süden, ankommen, abladen, Zelt aufbauen. Nur baute ich mein Zelt jetzt öfter im Alleingang auf.

Redwoods und die Küste

Der Weg führte über die Avenue of Giants zum Redwood National Park. Diese riesigen Bäume haben mir ganz gut gefallen, vom Hocker gerissen haben sie mich aber nicht, weil ich im Sequoia-Park schon Ähnliches gesehen hatte. Auffällig war, wie viel Licht sie schlucken. Unten im Wald war es so dunkel, dass hin und wieder der Blitz meiner Kamera ansprang. Wahnsinnig hoch und dick, diese Stämme. Manche brechen in der Mitte auseinander oder es bilden sich Höhlen, dann kann man sogar mitten durch den Baum hindurchgehen.

Crater Lake

Weiter ging es über die kalifornische Grenze nach Oregon, einem Staat, in dem es fast nur Bäume zu geben scheint. Soweit das Auge reicht, nur Wälder. Das Highlight des Tages war der Crater Lake, ein Vulkan, der vor rund siebentausend Jahren ausgebrochen ist und in dessen Schlot sich seitdem ein See gebildet hat. Baden kann man dort nicht, das Wasser ist saukalt und die Kraterwände gehen fast senkrecht nach oben. Aber dieses fast schon unnatürliche Blau des Sees ist wirklich einmalig, so etwas hatte ich noch nie gesehen.

Der Crater Lake in Oregon mit der Wizard Island, dieses unnatürliche Blau habe ich so nie wieder gesehen
Der Crater Lake in Oregon mit der Wizard Island, dieses unnatürliche Blau habe ich so nie wieder gesehen

Der Campground danach lag am Ende der Welt, nichts als Bäume und kein anderes Zelt weit und breit. Ein paar Boote noch auf dem See, sonst keine Menschenseele. Die echte Einsamkeit, fast schon zu einsam für meinen Geschmack.

Seattle und der Mount Rainier

Am Vormittag besichtigten wir den Mount Rainier, einen ruhenden Vulkan. Wälder, Wasserfälle, das sah aus wie in den mitteleuropäischen Alpen. Wenn man sich vorstellt, dass diese Gegend eines Tages so aussehen könnte wie die von Mount St. Helens, der nur elf Jahre zuvor ausgebrochen war, läuft es einem kalt den Rücken runter.

Fotostop am Mount Rainier, unser Van im Nebel der Passstraße
Fotostop am Mount Rainier, unser Van im Nebel der Passstraße

Dann ging es hinunter nach Seattle. Am ersten Nachmittag machten wir statt der Stadtfahrt lieber noch eine Tour mit einem historischen Zug, mit Live-Countrymusic und bester Stimmung. Am nächsten Tag dann rein in die Stadt. Wir parkten am Seattle Center, wo die Space Needle steht, und fuhren gleich rauf. Eine Stunde später hätten wir Ewigkeiten für den Aufzug anstehen müssen. Von oben machte Seattle einen fast ausgestorbenen Eindruck, aber es war eben Sonntag. Mit der Monorail ging es in vier Minuten ins Geschäftsviertel, sehr sauber, kaum jemand auf der Straße.

Die Space Needle im Seattle Center, von unten fotografiert an unserem Sonntag in der Stadt
Die Space Needle im Seattle Center, von unten fotografiert an unserem Sonntag in der Stadt
Die Boeing-Werke in Everett bei Seattle, ganze Flugzeugrümpfe stehen in der riesigen Halle
Die Boeing-Werke in Everett bei Seattle, ganze Flugzeugrümpfe stehen in der riesigen Halle

Danach ins Seattle Aquarium, wo mir vor allem die Seeotter gefielen, weil sie ständig faul auf dem Rücken lagen. Die Underground Tour war ausverkauft, und als wir hörten, dass einem erst fünfundzwanzig Minuten lang nur die Stadtgeschichte erzählt wird, gingen wir lieber shoppen. Am Nachmittag warteten die anderen schon an der Space Needle, und wir konnten unsere Fahrt nach Kanada beginnen. Unser Ziel: Vancouver.

Vancouver

In Vancouver trennten sich morgens wie immer alle in ihre Grüppchen. Ich zog erst mit zwei Lehrerinnen aus München los, düste dann aber lieber alleine weiter. Mein Ziel war der Stanley Park, dieser Name erinnert mich bis heute an Dick und Doof. Weil der Park riesig ist, mietete ich mir ein Rad und radelte zuerst zum Zoo, bei dem man keinen Eintritt zahlt und das Federvieh frei herumläuft. Danach ins Vancouver Aquarium, klein, aber sehr sauber. Ewig schaute ich den Killerwalen zu und fragte mich, ob ihre schrillen Pfeiftöne so etwas wie eine Sprache sind.

Vom Seawall im Stanley Park über Coal Harbour auf die Skyline von Vancouver, links die Segeldächer vom Canada Place
Vom Seawall im Stanley Park über Coal Harbour auf die Skyline von Vancouver, links die Segeldächer vom Canada Place

Auch Vancouver hat ein Science Museum, und weil mich solche Museen faszinieren, musste ich da hin. Es hat mir noch besser gefallen als das in San Francisco, viel sauberer und ordentlicher, und die runde Bauweise ist wirklich interessant. In der Musikabteilung stehen lauter kleine Kämmerlein mit Keyboards und Schlagzeugen, in die man reingehen und alles ausprobieren kann. In der Old Town gab es später noch die berühmte Dampfuhr zu sehen, sonst ist die Altstadt nichts Besonderes. Zum Abschluss traf ich die anderen wieder und wir gingen zusammen Pizza essen.

Unterwegs im historischen Gastown, dem alten Backsteinviertel von Vancouver mit den gusseisernen Laternen
Unterwegs im historischen Gastown, dem alten Backsteinviertel von Vancouver mit den gusseisernen Laternen

Yellowstone

Zum Ende der Reise ging es noch in den Yellowstone. Ich hatte ehrlich gesagt schon vorher Angst vor der Nacht dort, wegen der Bären. Am Zeltplatz begrüßte uns erst mal ein ganzer Schilderwald mit Regeln, kein Essen im Zelt, nichts, was nach Essen riecht, nicht mal Zahnpasta, denn Bären haben eine gute Nase. Diesmal baute ich mein Zelt besonders gewissenhaft auf. Kaum waren wir ein paar Kilometer im Park, lief uns eine Bisonherde über den Weg, danach Elche. Nachts wurde es bitterkalt, am Morgen war das Wasser auf den Tischen gefroren, drei Grad, fast am Gefrierpunkt. Ich zog alle Pullover an, die ich hatte, und döste mehr, als ich schlief.

Dampfende heiße Quellen im Yellowstone, das Wasser leuchtet in unwirklichen Farben
Dampfende heiße Quellen im Yellowstone, das Wasser leuchtet in unwirklichen Farben

Am Tag dafür wurde ich entschädigt. Zum ersten Mal sah ich Geysire in den schönsten Farben. Manche schimmern unheimlich blau, andere blubbern, stinken und sind grau, rundherum sterben die Bäume ab. Zum Schluss fuhren wir zum Old Faithful, dem Geysir, bei dem man ziemlich genau vorhersagen kann, wann er ausbricht. An diesem Tag spuckte er nicht besonders hoch, aber die Landschaft ringsum war wie aus dem Bilderbuch.

Für mich endete die Reise dann in Salt Lake City. Die anderen fuhren den Trek noch bis San Francisco weiter, mein letzter Tag mit der Gruppe war das große Abschiednehmen mit Adressenaustausch. Wir besichtigten noch den Mormonentempel, wo uns ein Mädchen aus Stuttgart auf Mission durch die Anlagen führte. Die Stadt selbst lohnt kaum, außer Wohn- und Industrievierteln ist für Besucher nicht viel geboten. Am nächsten Tag flog ich nach San Francisco, verbrachte dort noch zwei Tage auf eigene Faust und besuchte alle Ecken, die es mir angetan hatten, bevor es zurück nach Good old Germany ging.

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