Diese Reise stand lange auf der Kippe. Ursprünglich wollten wir quer durch das Land fahren, doch nach den Ereignissen vom September 2001 planten Yvonne und ich alles um und machten eine Rundreise durch den Südosten. Nach wochenlangem Überlegen, ob wir überhaupt fliegen sollten, ging es schließlich los, aufgestanden um drei Uhr morgens. Beim Fliegen war meine Angst höher als sonst, aber sobald wir amerikanischen Boden betraten, war sie wie weggeblasen.
Das Besondere an dieser Reise: Ich habe sie damals live vor Ort aufgeschrieben und Tag für Tag über ein manuelles Modem ins Internet gestellt, lange bevor es Blogs oder Smartphones gab. Was du hier liest, ist also direkt aus dem Moment heraus entstanden.
Ankunft in Atlanta

Schon bei der Immigration in Atlanta zeigte sich die Stimmung, die ich in den ganzen folgenden Wochen erlebte. Der freundliche Beamte meinte nur, momentan werde viel Unsinn in den Nachrichten geredet, das müsse man nicht alles ernst nehmen. Genau so haben wir es empfunden. Von der Hysterie, die die deutschen Medien verbreiteten, war vor Ort nichts zu spüren. Im Gegenteil, der 11. September hatte die Amerikaner nur weiter zusammengeschweißt. Ich hatte einen Wagen mit GPS gebucht, dem damals noch neuen Never Lost System von Hertz. Wenn es funktionierte, war es kaum zu schlagen, aber Michaels Karten im Kopf und das System kamen oft mit ganz unterschiedlichen Ideen daher.

Atlanta und ein Wiedersehen

In Atlanta trafen wir meinen langjährigen Brieffreund Doug und besuchten das Coca-Cola-Museum mit den kostenlosen Drinks aus aller Welt, das frisch renovierte Martin-Luther-King-Center und Underground Atlanta. Doug meinte, dass die normale Kriminalitätsrate nach dem 11. September sogar gesunken sei und dies gerade eine ideale Zeit für einen Urlaub in den USA sei. Auffällig waren nur die vielen Sicherheitsleute, an manchen Ecken standen mehr davon als Passanten. Am Stone Mountain legten wir einen Naturtag ein.
Charleston und die Great Smoky Mountains

Über Macon mit seinem indianischen Freilichtmuseum fuhren wir nach Charleston in South Carolina. Auf einen Tipp hin besuchten wir die Boone Hall Plantation mit ihrer berühmten Alley of Oaks, jener Eichenallee, die man aus zahlreichen Filmen kennt. Danach ging es hinauf in die Great Smoky Mountains, den bei Ostküsten-Amerikanern so beliebten Nationalpark mit seinen vielen Wanderwegen. Am Visitor Center nahe Cherokee hatte man ein kleines Freilichtmuseum zum Farmleben des 18. Jahrhunderts aufgebaut.

Nashville und ein Schock im Radio
Auf der Fahrt nach Nashville, gerade aus dem Walmart gekommen, unterbrachen die Radiostationen ihr Programm, ein Flugzeugabsturz in Queens. Ich konnte es kaum glauben und dachte sofort wieder an den September. Es stellte sich später als Unglück heraus, aber der Moment saß tief. Umso mehr genoss ich danach die ruhigen Fahrten über Land. Ich kann wirklich jedem empfehlen, die USA auch einmal abseits der Interstates zu entdecken, denn auf den Highways bekommt man vom echten Land kaum etwas mit.
Zurück nach Florida

Von Montgomery ging es dann in meinen Lieblingsstaat Florida, genauer nach Panama City am Golf von Mexiko. Dort legten wir einen Faulenzertag mit einem Besuch im kleinen Zooworld ein und ich testete in der Hotellobby zum ersten Mal einen richtig schnellen öffentlichen DSL-Zugang, um meine Liveberichte hochzuladen. Weiter ging es nach Jacksonville zu unseren Verwandten und schließlich nach Orlando, das die Einheimischen selbst sarkastisch die größte Touristenfalle der Welt nennen.

Die Themenparks von Orlando

In Orlando verbrachten wir die letzten Tage in den Parks. Epcot, die MGM Studios, Sea World und das Magic Kingdom standen auf dem Programm, dazu Busch Gardens in Tampa mit seinen Achterbahnen. Ein kleines Highlight am Rande waren die Krispy Kreme Doughnuts, die wirklich hervorragende Qualität bieten und die ich seitdem jedem empfehle. Zum Schluss ging es über Orlando zurück nach Atlanta und von dort nach Hause.
Mein Fazit
Es war wie immer ein super Urlaub, trotz aller Umplanungen wegen des 11. Septembers. Das Wetter war durchgehend schön mit 20 bis 30 Grad, gegen Ende lief ich sogar wieder in kurzen Hosen herum. Auffällig war, dass wir kaum Deutsche antrafen, dafür viele Briten, die sich offenbar nicht so leicht einschüchtern ließen. Im Endeffekt muss das jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil bin froh, dass wir uns nicht haben abhalten lassen.