Der erste Blick über die Kante ist ein Moment, den dir niemand vorweg erklären kann. Das Auge sucht nach einem Maßstab und findet keinen. Über die Jahre habe ich viele Ecken der USA gesehen, aber dieser erste Schritt an den Rand bleibt mir im Kopf.
Ein Blick in zwei Milliarden Jahre
Wenn du in die bis zu 1.600 Meter tiefe Schlucht schaust, blickst du zugleich zurück in die Erdgeschichte. Schicht für Schicht legt der Canyon frei, woran der Colorado seit Jahrmillionen gearbeitet hat. 1919 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt, heute kommen rund vier Millionen Menschen im Jahr, und fast alle werden am Rand für einen Moment still.

Die drei Teile
Der Park besteht aus drei Bereichen. Die Südkante, der South Rim, ist ganzjährig geöffnet, am leichtesten erreichbar und entsprechend gut besucht. Der North Rim liegt höher, ist kühler, grüner und deutlich ruhiger, dafür von Ende Oktober bis Mitte Mai wegen Schnee geschlossen. Dazwischen liegt der Inner Canyon, der Grund der Schlucht, den nur erreicht, wer zu Fuß hinabsteigt.
Anreise und die ruhigen Plätze
In den Süden gelangst du über zwei Eingänge, den South Entrance bei Tusayan und den East Entrance aus Richtung Cameron. In der Hauptsaison fahren am West Rim kostenlose Pendelbusse, das nimmt viel Verkehr von den Aussichtspunkten. Ein Tipp, der über all die Jahre galt: Die großen Aussichtspunkte sind voll, aber die kleinen Parkbuchten dazwischen, wo kein Reisebus halten kann, hast du oft fast für dich.
Das Visitor Center
Im Grand Canyon Village steht das ganzjährig geöffnete Visitor Center, kaum zu übersehen. Die meisten rennen daran vorbei, weil sie endlich den Canyon sehen wollen. Ein kurzer Stopp lohnt sich trotzdem, und keine Sorge, der Canyon ist Jahrmillionen alt und verschwindet nicht in den zehn Minuten.
Übernachten direkt am Rand
Vom einfachen Zimmer bis zum altehrwürdigen El Tovar Hotel ist alles da. Das El Tovar steht seit 1905 und liegt nur rund fünfzehn Meter von der Kante entfernt, die wohl eleganteste Art, hier zu schlafen. Wer ganz nach unten an den Colorado will, zum Campingplatz im Inner Canyon, braucht eine Genehmigung, die man Monate im Voraus beantragen muss. Spontan geht das nicht, frühes Planen lohnt sich.
Der Moment, der bleibt
Wenn du eines mitnimmst: Bleib bis nach Sonnenuntergang. Dann färben sich die Wände tief rot, die Reisebusse sind weg, und für ein paar Minuten gehört dir diese riesige Weite fast allein.


